Zufrieden älter werden

Der aus den USA stammende Begriff ‚Anti-Aging’ bedeutet soviel wie „gegen das Altern bzw. gegen das Altwerden“ und ist aus unserer Sicht altersdiskriminierend. Unserer Auffassung nach geht es im Leben nicht darum, bspw. mittels Anti-Aging-Cremes und Verjüngungskuren, etwas gegen das Altern zu tun, sondern das Älterwerden als natürlichen Prozess zu akzeptieren und den Einzelnen darin zu unterstützen, das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden zu lernen und die eigene Lebensführung und Lebensqualität zu verbessern durch bspw.: 

  • ausgewogene Ernährung,
  • ausreichende Bewegung und Entspannung,
  • eine positive Lebenseinstellung und humanistische Grundhaltung,
  • soziale Beziehungen,
  • Gelassenheit,
  • die Wiederentdeckung des kindlichen Staunens,
  • die Fähigkeit, sich an kleinen Dingen erfreuen zu können,
  • einen ressourenorientierten Blick auf die eigene Kindheit und das, was man alles erreicht hat, trotz ggf. widriger Umstände, usw.

Jeder Mensch ist  aufgrund biologischer Zellteilungs- und Zellabstoßungsprozesse täglich in einem ständigen Geburts- und Sterbeprozess. Altwerden ist ein ganz normaler Prozess, dem sich kein Mensch entziehen kann. Doch die Art und Weise, wie wir altern, liegt zum Einen an den uns umgebenden gesellschaftlichen und kulturellen Einstellungen dem Alter gegenüber und zum Anderen zu einem großen Anteil auch an unseren ganz persönlichen Vorstellungen von Altwerden.

Akzeptieren wir gängige altersdiskriminierenden Äußerungen in Medien (Titel im Stern: „Die Last mit den Alten“; „Wie das Böse ist der Rentner immer und überall“ (Süddeutsche Zeitung vom 11.11.2002); „Alte, wollt ihr ewig leben“? (Hessischer Rundfunk). Mehr dazu in dem Aufsatz von Hanne Schweitzer: Wie gestalten wir Alter? Wer gestaltet Alter? in: Soziokulturelle Konstruktion des Alters (siehe Leseempfehlung unter Weiterbildung).

Haben wir vorgesorgt und entsprechende finanzielle und soziale Ressourcen, die mit zu einem gesunden Älterwerden beitragen können? 

Altern wir als Menschen, die stets die Flucht nach hinten antreten (sogenannte Regressive), die sich fremdbestimmen lassen und sich nach einem besseren Leben sehnen, ohne dafür allzu viel investieren zu wollen?

Oder altern wir als Menschen mit der Tendenz, die Flucht nach vorne anzutreten (sogenannte Progressive), die sich vor allem an den gesellschaftlichen Werten ‚Geld, Macht, Position und Prestige’ orientieren, in der Regel äußerlich erfolgreich und nicht selten seelisch verarmt sind und oft erst dann persönlichen Schmerz zulassen, wenn die Familie zerbricht, die Kinder anders geraten, als sie es sich vorgestellt haben, eine schwere Krankheit (bspw. Hörsturz, Herzinfarkt, Schlaganfall) oder ein Unfall ihr Leben aus den Fugen geraten lässt?

Oder leben wir unser Älterwerden als Erwachsene, die sich lebensrichtige Werte erarbeitet haben, danach handeln und vorsorglich den natürlichen biologischen Alterungs-Prozess bewusst verlangsamen durch bspw. persönliches inneres Wachstum, Innehalten, Wieder-„Entdeckung der Langsamkeit“ (Sten Nadolny), Bewusstseinsveränderung, eine positive Haltung dem Tod gegenüber mit dem Ziel, gesund zu sterben bspw. in einer Wohngemeinschaft Gleichgesinnter?

Viele Menschen altern unbewusst und bleiben verstrickt in ihre teilweise niemals überprüften Lebens- oder gar Glaubensphilosophien, in ihre uneinlösbaren und zerstörerischen Ideale und lebensfeindliche Normen. Wer so lebt, wird gelebt, aber lebt sich nicht selbst, kennt weder seine vielen Anlagen, noch seine in sich schlummernden Fähigkeiten. Ein solches Leben hat viele Tücken und eine davon heißt: unbewusste Lebensverkürzung durch unnötige Krankheiten, Konflikte und Krisen.

Auch „For ever young“ ist ein illusionärer Menschheitstraum, der auch in diesem Jahrtausend nicht mehr in Erfüllung gehen wird. Das ändert nichts an der Tatsache, das Humanwissenschaftler der verschiedenen Disziplinen mittlerweile sich darin einig sind, dass der Mensch aufgrund seines genetischen Programms von einer Lebenserwartung von bis zu 120 Jahren ausgehen kann, vorausgesetzt, er lebt bewusst. Ob ein Alter von 120 Jahren allerdings erstrebenswert ist, muss jeder Mensch für sich selber klären.


Fachgruppe Synergetisches Pro-Aging

Diese Fachgruppe setzt sich zum Ziel, die Grundgedanken des Synergetischen Pro-Agings zu propagieren, darüber in Austausch zu treten, stets zu überdenken und natürlich im Alltag zu leben. Hauptsächlich geht es um die Akzeptanz der Tatsache, dass alle Menschen älter werden und sich den besonderen Herausforderung des Alterns stellen müssen.

Alle Mitglieder der DGSW, die Interesse an der Mitarbeit in dieser Fachgruppe haben, mögen sich bitte bei der DGSW melden. Wir stellen Ihre Informationen dann für Sie ins Netz. Regionale Fachgruppen-Treffen finden selbstorganisiert statt.